Mission-Erde-Entdecken

Spanien

Jeder Ort hat seine eigene Geschichte – und wir erzählen unsere, wie wir sie erlebt haben. Hier findet ihr unser kleines Reisetagebuch (unten der älteste, oben der neueste Eintrag). Wir werden keine täglichen Einträge machen, aber definitiv dann, wenn es etwas zu berichten gibt.

Mit einem Klick auf das Datum öffnet sich der Bericht.

Spanien

Ein anderes Camping

Von Alicante führte unser Weg weiter nach Süden, entlang des Río Segura. Ein mittelgroßer Campingplatz nördlich von Guardamar del Segura beherbergte uns für zwei Tage und bot uns die Möglichkeit, täglich ein paar Stunden am Strand zu verbringen. Die Tage waren mit knapp 20 °C noch wundervoll warm, während die Nächte bereits unter 10 °C lagen – ein erster Hinweis darauf, dass der Winter naht.

Leider wurden während unseres Aufenthalts die Bewässerungskanäle, die parallel zum Río Segura verlaufen, erneut ausgehoben und gereinigt. Grosse Baumaschinen arbeiteten den ganzen Tag und teilweise sogar in der Nacht. Ein längerer Aufenthalt kam für uns dadurch nicht in Frage.

Wildes Campen

Flamingos

Eigentlich hatten wir uns einen hübschen kleinen Campingplatz ein paar Kilometer weiter südlich ausgeguckt – doch dort standen wir vor verschlossenen Türen. Bemerkenswert ist, dass in dieser Region ein konstanter Bedarf an Stellplätzen besteht und viele Betreiber ihre Anlagen problemlos ganzjährig betreiben könnten. Trotzdem schliessen zahlreiche Campingplätze nach der Saison, sobald das Geschäft des Sommers erledigt ist. Die „Überwinterer" dürfen dann sehen, wo sie bleiben – und laufen sich nicht selten die Füße platt.

Da wir unbedingt noch einmal Flamingos sehen wollten, versuchten wir unser Glück an den nahegelegenen Salzseen und Naturparks. Doch hier offenbarte sich erneut ein bekanntes Problem: Mit einem Wohnmobil ist es in Naturschutzgebieten schwierig, einen Parkplatz zu finden. Offenbar haben frühere „Generationen" von Campern ihre Spuren hinterlassen – wildes Campieren, Vermüllung, blockierte Wege – und so wurden vielerorts Barrieren errichtet oder Zufahrten erschwert. Manchmal steht auch einfach nur ein schlichtes Verbotsschild, das klarmacht, dass das Übernachten hier unerwünscht ist.

Schliesslich hatten wir Glück und fanden unweit eines Friedhofs (Cementerio de la Manta) ein Plätzchen zum Parken. Von dort aus unternahmen wir eine Wanderung entlang der Südkante der Laguna de la Mata. Am späten Nachmittag entschieden wir, die Nacht dort zu verbringen, und spazierten zum Sonnenuntergang an die Ostseite der Lagune. Die Flamingos belohnten uns mit ihrer eleganten Präsenz, und wir konnten dabei ein paar wunderbare Bilder aufnehmen.

Die Nacht begann hingegen erst recht spät - und wenig entspannt. Offenbar waren Camper an diesem Ort nicht gern gesehen, denn drei Wagenladungen junger Erwachsener bauten sich in einem Meter Abstand zu uns auf, drehten die Musikbox laut auf und feierten ausgelassen. Der weitläufige Parkplatz hätte problemlos Raum für ein entspanntes Miteinander geboten, doch Rücksicht war hier Mangelware.

Murcia

Provinzhauptstadt

Nach einem Tag Freistehen tut es gut, Wasser zu tanken, Abwasser abzulassen und eine sichere Unterkunft für die Nacht zu haben. Nachdem ein weiterer Campingplatz sich als Fehlgriff entpuppte – und zudem kein Trinkwasser anbot –, fanden wir schließlich einen kleinen Stadtcampingplatz im Osten der Provinzhauptstadt Murcia. Die Stadt wollten wir ohnehin besuchen, und so passte es perfekt. Mit Uber waren wir schnell und unkompliziert unterwegs: 7 Euro hinein, 7 Euro hinaus – bequemer geht es kaum.

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Sierra Espuna

Eine kleine Schlucht

Von dort führte uns der Weg an die Westkante der Sierra Espuña zum Parkplatz Estrecho de la Arboleja, von wo aus ein kleiner Pfad durch eine schmale Schlucht führt. Zufällig befanden sich Freunde von uns ebenfalls mit ihrem Camper in der Region, und so trafen wir uns spontan vor Ort und wanderten gemeinsam durch die beeindruckende Felslandschaft. Ein herrlicher Sonnenuntergang mit intensiven Rot- und Orangetönen leitete eine völlig stille und dunkle Nacht ein. Der eisige Wind ließ die Temperaturen jedoch auf einstellige Werte sinken – nicht ganz das, was man sich von einer Überwinterung in Spanien vorstellt. Ein sanfter Weckruf, weiter in Richtung Andalusien zu ziehen.

Spaniens Süden

Das Land

Auf nach Cabo de Gata. Die Fahrt über die Autobahn unterschied sich deutlich von dem, was man aus Deutschland gewohnt ist. Zwar nennt sie sich Autovía, doch sollte man nicht erwarten, in gleicher Zeit voranzukommen. Die Strecke führt über kurvige Abschnitte, weist teils spürbare Unebenheiten auf und erlaubt deutlich geringere Geschwindigkeiten. Gerade mit einem Wohnmobil ist man hier entspannter als zügig unterwegs – doch die Landschaft entschädigt dafür in jeder Hinsicht.

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Ein bisschen Sonne

Cabo de Gata

Wer sich fragt, wo Spaniens Obst und Gemüse angebaut werden – und wie diese riesige Produktionsfläche tatsächlich aussieht –, findet hier Antworten (Bild 3 und 4 oben). Ganze Landstriche sind von endlosen Reihen weißer Plastikgewächshäuser geprägt. Die Flächen glitzern und funkeln in der Sonne: Plastik, so weit das Auge reicht. Auf den Strassen sieht man viele immigrierte Arbeiter aus Nordafrika – einige laufen kilometerweit entlang der Landstrassen, andere überwinden die Strecken auf Elektrorollern.

Der Anblick dieser schier endlosen Plantagen regte uns zum Nachdenken an. Wir fragten uns, ob lokal erzeugtes Obst und Gemüse nicht eine deutlich bessere Wahl wäre – und ob man im Winter nicht einfach auf Tomaten, Gurken & Co. verzichten sollte, statt Produkte aus intensiv bewirtschafteten Kunststofflandschaften zu konsumieren.

Schliesslich fanden wir einen ruhigen Platz in der Nähe von Las Negras. Eine fast menschenleere Bucht schenkte uns ein paar unbeschwerte Tage – Meer, Licht, Ruhe und ein Hauch von Ursprünglichkeit, die wir auf dieser Reise stetig suchen.

Die Alhambra gehört zu jenen Orten, an denen Geschichte, Kunst und Architektur in einer Weise verschmelzen. Für uns war dieses Bauwerk weit mehr als eine touristische Sehenswürdigkeit – es war ein tief beeindruckendes Erlebnis.

Die filigranen Stuckarbeiten, die kalligrafischen Bänder, die geometrischen Muster und die harmonischen Proportionen der Räume zeugen von einer nahezu unerschöpflichen Kreativität und handwerklicher Meisterschaft.

Jeder Hof, jede Säule, jedes Ornament erzählen eine Ge-schichte, und man hat das Gefühl, als würde man durch ein lebendiges Kunstwerk gehen, dessen Schönheit selbst Jahrhunderte unversehrt über-dauert hat.

Umso bemerkenswerter er-scheinen die Fotos, die wir dort aufnehmen konnten. Sie sind das Ergebnis geduldigen Wartens und präziser Momente, denn die Alhambra ist selbst in der sogenannten Nebensaison alles andere als leer. Menschenströme bewegen sich durch die Paläste, oft in engen Korridoren, und nicht selten entsteht ein regelrechter Wettlauf darum, wer zuerst eine bestimmte Perspektive einfangen kann.

Gruppen schieben sich, angeführt von ihren Guides, Meter für Meter voran, und manchmal dauert es erstaunlich lange, bis man überhaupt um die nächste Ecke biegen darf. In solchen Momenten wird einem bewusst, dass man ein Weltkulturerbe besucht, das von einer enormen internationalen Anziehungskraft geprägt ist.

Gerade deshalb fühlen sich die ruhigen Augenblicke, die wir dort erleben durften, so besonders an: jene seltenen Minuten, in denen ein Hof fast leer wirkt, das Licht weich über die Ornamente fällt und die Geschichte dieses Ortes greifbar wird.

Es sind diese kurzen Momente, die für uns den Zauber der Alhambra ausmachen – und die unsere Bilder, trotz aller Mühe, so wertvoll werden lassen.

Was uns an der Geschichte der Alhambra besonders fasziniert, ist dieser sichtbare Übergang zwischen zwei Welten – der maurischen und der christlichen –, der bis heute überall spürbar ist. Die Alhambra war über Jahr-hunderte hinweg der glanzvolle Sitz der Nasriden, der letzten muslimischen Dynastie auf der Iberischen Halbinsel.

Die kunstvolle Architektur, die fein ausgearbeiteten Ornamente und die klare Formensprache folgen alle einem Gedanken: Schönheit entsteht nicht aus Prunk, sondern aus Harmonie und Proportion. Genau das macht diesen Ort so einzigartig.

Mit der Rückeroberung Granadas im Jahr 1492 durch die Ka-tholischen Könige beginnt dann ein neues Kapitel, und dieses Spannungsfeld zwischen Be-wahren und Verändern finden wir besonders interessant. Vieles blieb erhalten – glücklicherweise –, aber manches wurde auch überformt oder neu interpretiert.

Der Palast Karls V. ist dafür ein gutes Beispiel: ein Renais-sancebau mitten im maurischen Ensemble, bewusst gesetzt, um ein Zeichen christlicher Herrschaft und europäischer Macht zu setzen. Und doch steht er heute nicht als Fremdkörper da, sondern als weiterer Layer der Geschichte, der zeigt, wie sich Kulturen ablösen, aneinander reiben und letztlich miteinander verwachsen.

Dieses Phänomen beobachten wir nun schon zum zweiten Mal, etwa in der Moschee von Pécs in Ungarn. Auch dort wurde aus einer Moschee eine Kirche, und dennoch geht man heute offen mit dieser Vergangenheit um. Man erkennt an, dass Geschichte nicht aus klar getrennten Kapiteln besteht, sondern aus Übergängen, Brüchen und Weiterentwicklungen.

Genau diese Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Ver-gangenheit macht solche Orte wertvoll – sie erzählen nicht nur, was war, sondern auch, wie Gesellschaften mit ihrem Erbe umgehen.

04. Dezember

Auf nach Gibraltar

Wir verließen nichts Vertrautes hinter uns, sondern eine Gegend, die uns, ehrlich gesagt, überhaupt nicht zugesagt hatte. Dreckige Strände, Wohngegenden, die fast ausschliesslich von Expats geprägt waren, und eine Landschaft, die karg wirkte und nahezu nur in unterschiedlichen Brauntönen existierte. Es war kein Abschied mit Wehmut, sondern ein bewusstes Weiterziehen.

Gibraltar war unser klares Ziel. Gleichzeitig spürten wir, wie mühsam es ist, mit einem rund vier Tonnen schweren Wohnmobil lange Strecken auf den Strassen Andalusiens zurückzulegen. Kurvige Abschnitte, wechselnde Fahrbahnbeläge und ein Tempo, das sich dem deutschen Massstab nur selten annähert, machten diese Etappe anstrengend.

Und doch hatte genau diese Langsamkeit etwas Ehrliches. Sie zwang uns zur Geduld, ließ Gespräche entstehen und schärfte den Blick für das Wesentliche: unterwegs zu sein, gemeinsam, mit einem klaren Ziel vor Augen.

08.-09. Dezember

Kurz vor Gibraltar

Die Tage kurz vor Gibraltar fühlten sich wie ein Innehalten an. Wir waren bereits ganz in der Nähe, und doch blieb der berühmte Felsen zunächst verborgen. Das Wetter wechselte, ebenso die Sicht, und wir verbrachten diese Zeit mit Beobachten statt Abhaken.

Gerade diese Zwischenstation hatte ihren eigenen Wert. Ohne Programm und ohne Erwartungsdruck blieb Raum für Gespräche, für das Meer, für den Wind – und für die Vorfreude der Jungs, die Gibraltar längst als Abenteuer abgespeichert hatten. Rückblickend war es ein ruhiger Auftakt, der uns erdete.

"The Rock" (Gibraltar) befindet sich links im Bild unter dem Paraglider.

11. Dezember

Erster Versuch

Unser erster Versuch, Gibraltar wirklich zu erleben, scheiterte nicht an der Planung, sondern am Wetter. Der Berg lag dicht eingehüllt in Wolken. Keine Aussicht, keine Berberaffen, kein Skywalk, keine Hängebrücke – der Upper Rock war praktisch unsichtbar.

Natürlich waren wir vor Ort, natürlich haben wir uns bewegt, geschaut, versucht. Aber schnell wurde klar: Das hier war kein repräsentativer Eindruck. Statt Enttäuschung blieb vor allem Akzeptanz. Reisen bedeutet auch, Dinge anzunehmen, wie sie sind. Uns war klar, dass wir zurückkommen würden – unter besseren Bedingungen.

13. Dezember

Sevilla

Sevilla war für uns nicht nur ein kultureller Abstecher, sondern auch eine bewusste Entscheidung. Während für den Süden – rund um den Campingplatz Sureuropa und La Línea – anhaltender Regen vorhergesagt war, versprach Sevilla an diesem Wochenende stabiles Wetter mit Temperaturen um die 20 Grad. Allein das machte den Ortswechsel plausibel.

Doch schnell wurde klar, dass Sevilla weit mehr war als nur eine meteorologische Ausweichlösung. Nach Küste, Wind und Wolken öffnete sich eine Stadt voller Struktur, Geschichte und Rhythmus. Warmes Licht lag auf altem Stein, und in nahezu jeder Straße wurden historische Schichten sichtbar.

Wir bewegten uns zu Fuß durch die Stadt, ohne Eile. Sevilla ist kein Ort, den man konsumiert – er entfaltet sich langsam. Kleine Gassen, ein ruhiges, unaufgeregtes Treiben und viele kleine, angenehme Geschäfte prägten unser Bild der Stadt. Es war die erste spanische Stadt auf unserer Reise, die wir bewusst für einen erneuten Besuch abgespeichert hatten.

In Innenhöfen, im Spiel von Licht und Schatten und im Klang der Sprache wurde deutlich, dass Sevilla Zeit belohnt. Für uns war es ein Tag, der weniger von einzelnen Sehenswürdigkeiten lebte als von Atmosphäre – und von der richtigen Entscheidung, dem Regen zu entkommen.

17. Dezember

Zweiter Versuch

Beim zweiten Anlauf zeigte sich Gibraltar von einer völlig anderen Seite. Klarer Himmel, kräftiges Licht und freie Sicht machten sofort deutlich, wie sehr dieser Ort vom Wetter abhängt. Plötzlich ergaben Wege, Aussichtspunkte und Perspektiven ein stimmiges Ganzes.

Die Berberaffen sorgten für staunende und lachende Momente bei den Jungs, während wir immer wieder an Aussichtspunkten stehen blieben. Der Blick über die Straße von Gibraltar bis nach Afrika machte Geografie greifbar – und Geschichte spürbar. Hier treffen Kontinente, Interessen und Erzählungen auf engstem Raum zusammen.

19. Dezember

Tarifa - Surfspot

In Tarifa übernachteten wir ausserhalb der Stadt auf einem eigens für Camper vorgesehenen Parkplatz. Wohnmobile sind aus dem Stadtgebiet verbannt – vermutlich auch deshalb, weil es in der Vergangenheit viele übertrieben haben. Die Regelung wirkt streng, ist aber nachvollziehbar und sorgt dafür, dass die Stadt selbst entlastet bleibt.

Tarifa präsentierte sich uns als nette, überschaubare Stadt mit eigenem Rhythmus. Deutlich spürbar ist hier die Nähe zu Afrika: im Licht, im Wind, in der Art, wie sich alles ein wenig anders anfühlt als weiter nördlich. Tarifa wirkt wie ein Vorposten des afrikanischen Kontinents – europäisch organisiert, aber atmosphärisch bereits auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar.

Der Wind bestimmte den Tag. Er trieb die Wolken vor sich her, formte die Wellen und prägte die Bewegung der Menschen. Am Surfspot ging es weniger um das perfekte Bild als um das Erleben selbst: salzige Luft, konstante Böen und das Gefühl, an einem Ort zu stehen, an dem Übergänge nicht theoretisch sind, sondern täglich gelebt werden.

Camping Reflexion

Realität im Winter

Im Verlauf dieser Reise wurde uns deutlich, dass Spanien im Winter längst kein ruhiger Geheimtipp mehr ist, sondern ein stark frequentiertes Ziel für Camper aus ganz Europa – insbesondere aus Deutschland. Viele überwintern hier für mehrere Wochen oder Monate, angelockt von milden Temperaturen, viel Sonne und einer vergleichsweise guten Camping‑Infrastruktur, vor allem entlang der Mittel‑ und Südküste.

Diese Beliebtheit hat jedoch ihre Schattenseiten. In vielen Regionen sind Campingplätze und ausgewiesene Stellplätze selbst außerhalb der klassischen Hochsaison stark ausgelastet. Spontan einen freien Platz zu finden, ist oft schwierig. Wir haben erlebt, dass viel Zeit verloren geht – nicht nur bei der Suche nach einem geeigneten Campingplatz, sondern auch beim Warten und Hoffen, dass dort tatsächlich noch ein Platz für uns frei ist.

Damit wurde schnell klar: Es reicht nicht, einen einzelnen Zielplatz im Kopf zu haben. Wer entspannt reisen möchte, sollte idealerweise bereits zwei Alternativen eingeplant haben. Andernfalls kann ein Reisetag schnell in eine ermüdende Parkplatz‑Odyssee münden, die wenig mit Freiheit oder Leichtigkeit zu tun hat.

Diese Übersättigung erklärt auch, weshalb viele Städte zunehmend restriktiv gegenüber Wohnmobilen vorgehen. Park- und Übernachtungsverbote sind keine Ausnahme mehr, sondern oft die Reaktion auf jahrelange Übernutzung.

Was dabei besonders deutlich wird: Diese Restriktionen gelten längst nicht mehr nur für Innenstädte oder touristische Hotspots, sondern pauschal für nahezu alle Arten von Parkplätzen. Selbst für einen einfachen Wocheneinkauf muss man sich faktisch aktiv über Verbotsschilder hinwegsetzen. Wohnmobile sind auch auf den Parkplätzen gängiger Supermärkte wie ALDI, LIDL & Co. offiziell unerwünscht.

Der Alltag wird dadurch unnötig verkompliziert. Dinge, die selbstverständlich sein sollten – einkaufen, kurz anhalten, versorgen – geraten in eine Grauzone zwischen Duldung und Verbot. Für uns gehört auch diese Erfahrung mittlerweile zur Realität des Campings in Spanien. Sie ist Teil derselben Gleichung wie Sonne, Wind und Meer – verändert jedoch den eigentlichen Gedanken des Campens grundlegend. Das Gefühl von Freiheit, Einfachheit und Selbstverständlichkeit, wie wir es insbesondere in den baltischen Staaten kennengelernt haben, geht hier weitgehend verloren. Vor diesem Hintergrund kommt eine erneute Reise nach Spanien mit dem Camper für uns kaum noch in Frage.

Bewusste Entscheidung

Trinkwasser

Auch das Thema Trinkwasser ist für uns zu einem festen Bestandteil der Camping-Realität in Spanien geworden. Zwar wird Leitungswasser vielerorts offiziell als trinkbar ausgewiesen, in der Praxis ist es jedoch häufig stark gechlort. Geschmack und Geruch waren für uns so präsent, dass wir froh waren, unseren Wasserfilter dabeizuhaben.

Bereits in der Vorbereitung der Reise haben wir uns bewusst für das Filtern von Wasser entschieden – nicht aus Misstrauen, sondern aus Überzeugung. Unser eingesetzter ALB‑Filter kombiniert einen Sedimentfilter, einen Aktivkohlefilter und einen Lamellenfilter. Diese mehrstufige Filterung reduziert Partikel, Chlorgeruch und geschmacksstörende Stoffe deutlich.

Der Nutzen zeigte sich schnell auf mehreren Ebenen. Zum einen wurde das Wasser für uns erst wirklich trink- und genusstauglich, sowohl pur als auch zum Kochen. Zum anderen war die Entscheidung ein klarer Schritt gegen unnötigen Plastikmüll. Trinkwasser in einer Qualität, die unserem gewohnten Standard entspricht, ist in Spanien ansonsten meist nur in Form von Wasser aus Plastikflaschen im Supermarkt erhältlich. Mit unserem Filtersystem konnten wir in den ersten sechs Monaten Hunderte Einwegflaschen vermeiden.

Auch wenn es kritische Stimmen zu solchen Filtersystemen gibt, war unsere praktische Erfahrung eindeutig. Diese subjektiven Eindrücke konnten wir zudem mit Wasser‑Teststreifen untermauern, die Unterschiede vor und nach der Filterung sichtbar machten. In den einzelnen Filterstufen liessen sich Rückstände und Gerüche klar wahrnehmen – ein stetiger Beleg dafür, dass Stoffe zurückgehalten wurden, die wir nicht im Trinkwasser haben wollten. Für uns hatte der Filter damit einen doppelten Mehrwert: mehr Vertrauen in das Wasser, das wir täglich nutzen, und einen deutlich reduzierten ökologischen Fussabdruck.

Diese Entscheidung fügt sich nahtlos in unsere Art des Reisens ein. Sie steht für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – auch bei scheinbar selbstverständlichen Dingen wie Trinkwasser.

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