Mission-Erde-Entdecken

Thailand (2. Februar - 27. März 2026)

Diesen Abschnitt werden wir im Laufe unserer Reise kontinuierlich erweitern - es lohnt sich also von Woche zu Woche vorbeizuschauen.

15. Februar 2026

Ankunft im Paradies?

Nach Wochen mit unerwartet kaltem und nassem Wetter in Südeuropa haben wir uns entschieden, unsere Campingreise vorübergehend zu unterbrechen und nach Thailand zu fliegen. Was zunächst eine pragmatische Entscheidung war, entwickelte sich schnell zu einer wertvollen Zäsur innerhalb unserer Langzeitreise.

Ende Januar sind wir von Lissabon nach Phuket geflogen, während unser Camper während der Unwetter sicher im Norden Portugals untergebracht blieb. Im Süden von Phuket bezogen wir für fünf Tage ein Haus - bewusst ruhig gewählt, um den Jetlag in den Griff zu bekommen. Bereits ab dem zweiten Tag funktionierte das erstaunlich gut, sodass wir kurz darauf unseren ersten Ausflug auf eine kleine, abgelegene Insel unternehmen konnten.

Damit begann unser „Paradies-Modus".
Anfang Februar ging es weiter nach Koh Samui im Osten Thailands. Die ersten Tage waren allerdings unerwartet arbeitsintensiv: Die ursprünglich gebuchte Unterkunft entsprach in keiner Weise dem Preis oder den Erwartungen. Dank der Buchung über Airbnb war das Problem jedoch innerhalb von 48 Stunden gelöst - inklusive Rückerstattung und neuer Unterkunft.

Ärgerlich, aber lehrreich, und letztlich schnell erledigt.
Seitdem hat sich hier ein sehr angenehmer Alltag eingestellt: konstante Wärme, Schule für die Jungs, Erkunden der Umgebung und bewusst Zeit für Entspannung.

Bis zum 22. März bleiben wir auf Koh Samui, bevor wir mit Fähre und Bus beziehungsweise Taxi nach Phuket zurückkehren. Nach einer kurzen Akklimatisierung und ein bis zwei weiteren Ausflügen fliegen wir Ende März zurück nach Lissabon.

Thailand ist für uns weniger ein klassisches Reiseziel als vielmehr eine strategische Pause - ein Ort, um durchzuatmen, Stabilität zu finden und mit etwas Abstand über die nächsten Etappen unserer Reise nachzudenken.

Wer bei dem obigen Titel an Ruhe, Ursprünglichkeit und unberührte Natur denkt, wird hier schnell korrigiert. Was wir vielerorts vorfinden, sind extreme Touristendichte, überfüllte Städte und Strände sowie eine kaum zu übersehende Menge an Müll – nicht nur auf dem Festland, sondern auch auf kleineren Inseln.

Besonders eindrücklich war unser Aufenthalt auf Koh Bon (Bild unten). Am sogenannten „Honeymoon Beach“ zeigte sich ein stillschweigendes, fast kollektives Verhalten: Der Blick – und damit auch jede Kamera – richtete sich konsequent auf das Meer.
Denn hinter dem Strand, in der zweiten Reihe landeinwärts, sammelte sich der Müll. Also wurden Fotos bewusst in Richtung Horizont gemacht, Sand glattgerecht und Bildausschnitte so gewählt, dass das Unerwünschte unsichtbar blieb.

Fingierte Hochzeitsbilder, nahezu anzügliche Tänze im knappen Bikini und eine gnadenlose Selbstinszenierung bestimmten das Geschehen – inklusive gemachter Körper und überzeichneter Schönheitsideale. Auf dem Wasser setzte sich dieses Bild fort: Jetskis zogen in Zehnergruppen ihre Kreise, während Longtail-Boote und Yachten unablässig vorbeiknatterten. Das Paradies existiert – aber oft nur im Bildausschnitt.

Unweigerlich stellt sich dabei die Frage nach dem Einfluss sozialer Medien. Vieles von dem, was wir hier beobachten, scheint weniger dem Erleben eines Ortes zu dienen als dessen Verwertbarkeit im digitalen Raum:
Orte werden zu Kulissen, Strände zu Bühnen, und das Reisen selbst zu einer Abfolge von reproduzierbaren Bildern. Was nicht ins gewünschte Narrativ passt - Müll, Lärm, Enge, - wird konsequent ausgeblendet. Genau dieses Verhalten trägt aus unserer Sicht massgeblich zu dem Bild bei, das wir vorfinden - übernutzte Orte, die ihrer eigenen Attraktivität zum Opfer gefallen sind. Zurück bleibt eine Inszenierung von „Paradies“, die nur im Ausschnitt funktioniert.

Die Frage, die sich uns dabei immer wieder aufdrängt, ist eine grundlegende: Wie kann man heute noch reisen, ohne genau jene Orte zu zerstören, die man sucht?

Und vielleicht weiter gedacht - ob echtes Reisen nicht gerade dort beginnt, wo man bereit ist, das Unbequeme mitzusehen und auszuhalten, anstatt es wegzufiltern.